Tourbericht GB/Wales 2022

11.8.2022

Der Tag vor der Abfahrt nach England. Das Motorrad steht, vollgetankt und – gepackt mit kontrolliertem Luftdruck, im Hof direkt vor meiner Haustür. 2 oder 3 Kleinigkeiten muss ich morgen früh noch in die Koffer packen, dann geht es los. Vor die Erlebnisse hat der Motorradgott leider ca. 750 km Autobahn gesetzt, lässt sich nunmal nicht ändern. Das Wetter soll trocken und warm sein, wenigstens etwas. Abfahrt ist auf 4.00 Uhr in der Frühe spätestens geplant, dann kann ich den längsten Teil der Strecke noch bei kühlen Temperaturen zurücklegen. Ich werde versuchen hier jeden Tag ein Update zu schreiben und dieses auch in meinen sozialen Medienkanälen zu verbreiten. Ich freue mich auf knapp 2 Wochen England und Wales.

12.8.2022 / Anfahrt von Berlin nach Rotterdam

Um 3.00 Uhr erwache ich, um 3:45 Uhr die 1100 Kubik der AfricaTwin zum Leben. Ein abgrund tief schöner Vollmond begleitet mich die ersten 200 km. Die A2 ist leer und ich komme gut voran. Alle 100 – 120 km mache ich eine Pause und nach etwas Gymnastik und einem Kaffee geht es weiter. Ab 10.00 Uhr wird es wärmer und wärmer, der Fahrtwind bringt kaum Kühlung. Die letzten 150 km ziehen sich, man muss an Utrecht und Rotterdam vorbei, das macht keinen Spaß, generell macht Autobahn keinen Spaß, aber es geht nunmal nicht anders. Gegen 13:30 Uhr bin ich endlich am Terminal von P&O Ferries. Der Check In beginnt zum Glück um 15.00 Uhr und kurz darauf findet das Bike einen schönen Platz auf dem Fahrzeugdeck und ich eine Kabine auf Deck 10. Der Rotterdamer Hafen ist monströs, mehrere Tausend Hafenbecken, es stinkt überall nach Chemie. Für die knapp 800 km habe ich 40 l Superbenzin gebraucht, fast 1 Liter mehr, wie auf kleinen Landstraßen. Ich werde das, in den nächsten Tagen mal beobachten. Ein Bier kostet an Bord übrigens 5 Pfund, da wird niemand zum Alkoholiker.

13.8.2022 North York Moors Nationalpark Pünktlich kommt die Fähre am Morgen in Hull an. Der Checkout klappt reibungslos, die Zollabfertigung dauert ewig. Die Briten möchten eben wissen, wer die Grenze übertritt. Aber irgendwann ist man dann durch die Kontrolle durch und es geht los. Zunächst passiere ich die kleinen Vororte von Hull, aber nach ein paar Meilen werden die Straßen schon kleiner, genauso soll es sein. In 4 großen Schleifen durchfahre ich den Nationalpark, bei bestem Wetter und auf fantastischen Straßen. Es geht über Hochflächen und, mit teilweise 25 % Gefälle und Steigung, hinunter ins Tal. Am Ende des Tages stehen 250 Km auf dem Tacho und ich finde Quartier in Oswaldkirk auf dem Campingplatz Golden Square.

14.8.2022 / 2. Tourentag Yorkshire Dales Nationalpark Die Sonne lockt mich früh aus dem Zelt, ich packe zusammen und um 7.00 Uhr erwecke ich den Twin zum Leben. Über leere Straßen nähere ich mich den Yorkshire Dales. Hinter Bolton Bridge geht es los. Ein wahres Gewitter von geradezu irrational guten Motorradstrecken darf ich heute unter die Stollenreifen nehmen. Einsame Straßen über Hochflächen, die ich mir nur mit dem Wind und den Schafen teilen muss. Teilweise geht es mit 25 % Gefälle in die Tiefe der Täler zurück und dann wieder in die Höhe. Am Abend finde ich Quartier auf einem Campingplatz über dem Lake Windermere im Lake Distrikt. Morgen habe ich spektakuläre Pässe im Lake Distrikt auf dem Programm.

15.8.2022 Lake Distrikt In der Nacht weckt mich ein merkwürdiges Geräusch. Nach ausführlicher Google Recherche stelle ich fest, dass es sich um Regen handelt, welcher auf mein Zelt prasselt. Am Morgen ist der Regen weg und ich mache mich auf den Weg. Mit dem Kirkstone Pass geht es los, der Honister Pass ist eine fantastische Steigerung aber die Krone gebührt Wrynose & Hartknott Pass. Das Warnschild ist nicht übertrieben, die 30 % Steigung werden öfters erreicht. Es sind 2 spektakuläre SingleTrack Pässe die sich, nur durch eine Brücke getrennt, den Bikern präsentieren. Fahrerisches Können ist hier eine absolute Voraussetzung, Eisdielen und Mopedteff Fahrer haben hier keine Chance. Da das Wetter nicht besser wird, wähle ich die Autobahn um schnell in den Peak Distrikt zu kommen. Nachdem mich mein Garmin Navi zu 4 Campingplätzen gelotst hat, die allesamt nicht mehr bewirtschaftet werden komme ich kurz vor Toresschluss zu einem Platz der eigentlich keine Zelttouristen aufnimmt. Da ich aber völlig fertig bin und er selbst auch Biker ist, kann ich auf seiner privaten Wiese zelten. Es gibt noch gute Menschen auf der Welt.

16.8.2022 Peak Distrikt Wie immer breche ich früh auf, kurz vor 8.00 Uhr erwacht der Twin zum Leben und es geht los. Auch der Peak Distrikt kann mit kleinen Strecken, spektakulären Landschaften und schönen Ausblicken punkten, er hat aber leider einen Nachteil: viel Verkehr. Im Westen liegt Manchester, im Nordosten Leeds und im Südosten Sheffield. Da bleibt ein hoher Besucherandrang nicht aus und das ist leider stark zu merken. Auch LKW und Lieferwagen verstopfen die Straßen. Am Abend finde ich einen guten Campingplatz, leider mit unzureichend gutem Mobilnetz, so dass ich den Tourbericht erst am folgenden Tag hochladen kann. In der Nacht regnet es leise vor sich hin.

17.8.2022 Wales 1. Tag Der erste Morgen mit schlechtem Wetter. Es ist kalt, feucht und windig. Kein richtiger Regen, aber die Straßen sind rutschig und die Luft ist mit Feuchtigkeit getränkt. Dazu ein böiger und stürmischer Seitenwind. Kann ja eigentlich nur besser werden, wurde es auch. Ich wollte Wales von Norden nach Süden abfahren und suche deshalb die Nordküste auf. Schon auf dem Weg dahin bekomme ich a. schöne kleine Straßen unter die Räder und b. immer besseres Wetter. Schlussendlich kann ich das Sweatshirt ausziehen und genieße einen Kaffee in der Sonne. Nun geht es noch ca. 100 km Richtung Snowdonia, auf kleinen, und fahrerisch anspruchsvollen, Straßen. Das weckt Erwartungen für morgen.

18.8.2022 Wales 2. Tag Ausgeruht breche ich am Morgen auf, um in das Zentrum des walisischen Schieferbergbaus in Blaenau Ffestiniog und danach zur Küste bei Barmouth zu kommen. Weiter plane ich vorerst nicht, da die Wettervorhersage ab Mittag schlecht ist. Um es vorweg zu nehmen, so kam es auch. Doch bis dahin hält Wales wieder schöne Strecken bereit und eine Führung im Besucherbergwerk sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Luftfeuchtigkeit nimmt, ab Mittag, so zu dass ich das Navi nicht mehr ablesen kann und so baue ich mein Zelt auf einem Campingplatz direkt am Meer auf. Auch die Klamotten sind von der Feuchtigkeit durchtränkt. ⁸Morgen geht es Richtung Pembrokeshire Coast.

19.8.2022 Wales 3.Tag Der Morgen beginnt sonnig und frisch, aber das Regengebiet ist durchgezogen und der Tag verspricht schön zu werden. Ich mache mich auf den Weg Richtung Süden, Ziel ist St. Davids, welches oberhalb einer beeindruckenden Steilküste liegt. Die Fahrt dahin führt zunächst auf kleinen Straßen Richtung Küste und dann überwiegend an dieser entlang. Das Wetter ist mittlerweile zu bestem Bikerwetter mutiert und in Aberaeron gönne ich mir Fish & Chips. Danach noch Benzingespräch mit einem englischen Biker, was will man mehr. Auf einem einfachen Campingplatz, 500 m von den Klippen entfernt, finde ich Unterkunft. Nach Zeitaufbau gehe ich runter zu einer Bucht und hüpfe in den kühlen Atlantik.

20.8.2022 Wales 4.Tag und Brecon Beacons In der Nacht rüttelt der Wind das Zelt ordentlich durch, ich habe Frischluft ohne Ende, herrlich. Am Morgen lasse ich mir etwas Zeit mit der Packerei und so startet der Twin erst gegen 8:15 Uhr. Über einen kleinen SingleTrack erreiche ich Wooltack Point, einen Posten der National Coast Guard, äußerst spektakulär auf hohem Fels gelegen. Der Rundblick ist Atemberaubend. Die 600 m Fußweg vom Parkplatz aus lohnen sich auf jeden Fall. Auch das Wetter ist sehr Biker freundlich, ich genieße jede Sekunde. Danach geht es, nur wenige Kilometer, weiter nach St. Anna Head. Hoch über einer schönen Steilküste, am Ende eines SingleTrack hat man einen tollen Ausblick in die Tiefe. Damit endet mein Aufenthalt sn der Pembrokeshire Coast, ich mache mich auf Richtung Brecon Beacons. Die Zwischenetappe erledige ich überwiegend auf dem A40, einer recht unterhaltsam angelegten Landstraße. Quartier finde ich, direkt bei Brecon, auf einem zauberhaften Farmcamping. Morgen stehen kleine Straßen in den Brecon Beacons auf dem Programm.

21.8.2022 Brecon Beacons In der Nacht hat es etwas geregnet, so dass das Packen wieder im Zelt stattfindet. Danach, es ist 7:30 Uhr geht es auf eine Schleife Richtung Norden und ich erwische, auf einem sehr schönen SingleTrack Pass leider die RushHour des örtlichen Schäfers. Blökend, und von ca. 7 Hunden auf Kurs gehalten, trotten sie über die Straße. Die Einheimischen kennen es nicht anders und der Tourist entschleunigt. Irgendwie schön, so ein Teil der örtlichen Tradition zu sein. Danach passiere ich wieder Brecon und mache mich auf in den Süden des Nationalparks. Auf einer weiteren Passhöhe halte ich an, auch wenn mich keine Schafe dazu „verdonnern“ und lausche auf das große Nichts. Balsam für die Ohren. Dann geht es weiter Richtung Glastonbury. Hier arbeitet eine Freundin von mir als astrologische Heilerin und Shamanin. Immer, wenn ich in der Gegend bin, besuche ich sie. Auf einem Campingplatz, unterhalb des Glastonbury Tor, bekomme ich einen Platz für 2 Nächte. So mache ich dann morgen eine Tour Richtung Cornwall, vielleicht ins Exmoor mal sehen.

22.8.2022 Gammeltag in Glastonbury, Somerset Ein Abstinenztag vom Motorrad. Hippies gucken, durch Läden in denen merkwürdiges verkokelt wird schlendern und die Ruhe in den Ruinen der Glastonbury Abbey genießen. Auch mal schön. Morgen geht es dann Richtung Dover und irgendwann suche ich mir einen Campingplatz.

23.8.2022 Das Wetter ist typisch englisch, die Luft ist von Feuchtigkeit durchtränkt. Daher spare ich mir Dartmoor und mache mich auf Richtung Dover. Unterwegs ein Riesenstau, in einem Kreisverkehr hat sich ein 40 Tonner auf die Seite gelegt, tolle Leistung. Trotzdem erreiche ich die 14.00 Uhr Fähre von DFDS und bin, um 17:30 Uhr Ortszeit wieder in Old Europe. Die Suche nach einem Schlafplatz ist etwas schwieriger als gedacht, erst der 4. Campingplatz nimmt mich auf. Morgen geht es weiter Richtung Köln, da leben meine Eltern.

25. 8 – 26.8.2022 Besuch in der alten Heimat Köln. Ich überrasche die Kollegen bei der Staatsanwaltschaft Köln, erfahre traurige und lustige Neuigkeiten und bin froh, hier angehalten zu haben. Danach mache ich Stop bei meinem alten Kletter- und Motorradkumpel Bob und wir quatschen stundenlang. Sehr schön. Heute Abend ist noch grillen bei meiner Schwester und ihrem Lebensgefährten angesagt und dann fahre ich, durch die Nacht, Richtung Berlin.

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27.8.2022 Um 21.15 Uhr breche ich, nachdem ich bei meiner Schwester und ihrem Lebensgefährten hervorragend bekommt worden bin, auf Richtung Heimat. Lt. Wetterradar ziehen die Unwetter in der Nacht ab und tatsächlich werde ich nur 2 x kurz nass. Oftmals verrät aber die nasse Autobahn, dass es kurz vorher noch geschüttet haben muss. Um 4:17 Uhr stoppe ich, zum letzten Mal auf dieser Tour , den Motor der AT, in der heimischen Garage. See you next time.

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